Könnte es sein, dass der Sinn des Weihnachtsfestes – abgesehen vom religiösen Hintergrund – ist, bei einem (oder mehreren) Menschen ein Lichtlein im Herzen anzuzünden? Darüber denkt die Protagonistin eines Kinderbuches nach, und auch ich stelle mir diese Frage, wenn ich an das Weihnachtskonzert der Stimmbänd zurückdenke. In der heutigen Zeit ist es schwer, von etwas berührt zu werden. Im Herzen, meine ich. Wir werden von den Medien überflutet mit Bildern und Worten und Informationen – darunter auch solche, bei denen man sein Herz ein bisschen verschließen muss. Und wenn man das immer wieder tut, ist es irgendwann gar nicht mehr so leicht, dieses verschlossene Herz zu berühren. Mit Musik gelingt das jedoch immer wieder, vor allem mit dem Gesang menschlicher Stimmen. Stimmen von Menschen, deren Herz sich beim Singen ein bisschen öffnet. So gibt es die Möglichkeit, dass sie die Herzen derer berühren, die den Stimmen lauschen, und dass diese Stimmen in den Herzen ein Lichtlein anzünden in der dunklen Zeit. So geschah es sicher auch beim Weihnachtskonzert der Stimmbänd. Ich meine, bei so manchem Zuhörer in den Reihen der Kirche am Augarten das Lichtlein leuchten gesehen zu haben. Wir haben uns auch wieder einmal große Mühe gegeben. Zwei Monate lang haben wir intensiv geprobt, bis wir am Ende wie jedes Jahr bei Kerzenschein in die dunkle Kirche eingezogen sind und für die Menschen gesungen haben, die uns am Herzen liegen, und auch für alle anderen, die gekommen waren, um uns zuzuhören. Es waren viele Stimmbänd-Highlights dabei wie „Maria durch ein‘ Dornwald ging“ und „Christmas Lullaby“. Heuer hatte es sogar „Silent Night“ ins Programm geschafft. Zwischen den Stücken haben ältere und neuere Stimmbänder mit ihrer Moderation zum Nachdenken angeregt. Es war also alles in allem ein rundes Konzert, das wie immer mit Speis, Trank und Plauderei ausklingen durfte. Mögen die Lichtlein in den Herzen noch bis in den Frühling hinein leuchten. Oder länger.